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Leben und Glauben
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Leben und Glauben

Beiträge und Gedanken von Pfarrer Daniel Senf

 

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lukas 24,5-6)

Für das Leben

Vor genau fünf Jahren habe ich meinen Dienst als Pfarrer angetreten. Zum Ostergottesdienst 2012 begann damals meine Entsendezeit in Zschortau. Es gab erste
Begegnungen, Glückwünsche und Geschenke. Eins davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Ein Kuchen. Gebacken hatte ihn Katja Schmiedecke, damals Gemeindepädagogin in Zschortau. Das Besondere an diesem Backwerk: Es war mit einer Landkarte verziert, auf der alle größeren Orte des Kirchspiels abgebildet waren. Dazu war ein kleiner Cowboy in ein Spielzeugauto auf den Kuchen gesetzt, der munter zwischen den Orten hin und her zu fahren schien. Unterwegs, um sein Gebiet kennen zu lernen.
Heute hätte ich noch mehr zu naschen, der Kuchen wäre wohl zweieinhalb mal so groß. Aus einer Kirchgemeinde mit elf Orten sind nun drei mit zweiundzwanzig Ortschaften geworden. Und, na klar, der Cowboy ist weiter unterwegs, fährt von Ort zu Ort und ist noch lange nicht fertig, alles zu entdecken.
Von Beginn an denke ich dabei oft an die Osterbotschaft aus dem Lukasevangelium. Denn ich mache zum einen die Erfahrung, dass manches still liegt oder zu ersterben scheint, gerade auch im kirchlichen Leben: Wenn in manchen Ortschaften, wie in Brodau, nur noch wenige Christen wohnen und nur selten Gottesdienst gefeiert wird. Wenn Menschen sich mit ihrem Engagement zurück nehmen, vielleicht, weil sie sich enttäuscht und kraftlos fühlen. Oder wenn manches Kirchgebäude beinahe ruinös ist, wie die Kirche in Selben.
Doch dann biege ich um die nächste Ecke und entdecke das Gegenteil. Ich sehe die Orte, wie schnell sie sich in letzter Zeit verändern, wie neue Häuser entstehen und Familien hier her ziehen. Ich staune über die vielen Schätze und Lebenszeichen, die unsere Gemeinden und Orte bergen. Kirchen, Kunst, Musik und vor allem und zuerst Sie – so viele Menschen, denen ich begegnet bin und begegne, ob Christin oder Christ, anders gläubig oder unkonfessionell, die mich begeistern mit ihrer Hilfsbereitschaft, ihrem Engagement, ihren Talenten und ihrer Freundlichkeit.
Das macht Spaß! Und ich bin dankbar für diese Erfahrungen und Begegnungen, die ich hier machen darf. Wo sich Menschen begegnen und austauschen, auch kontrovers, da ist die Lebendigkeit, die Lukas auch meint. Unsere Kirchgemeinden werden gute Orte dafür bleiben. Hier mag Gottes Geist wirken, hier wollen wir gerade auch das Kleine und Unscheinbare schätzen. Hier soll man ankommen können. Auch diejenigen von Ihnen, die Ihr Haus gerade gebaut haben. Herzlich Willkommen im Leben - in unseren Gemeinden.

Eine gute und gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer

Daniel Senf