Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Gott ist unsre Zuversicht und Stärke – das Bekenntnis der Reformation vor dem Kaiser

Am 25. Juni 1530 versammelten sich in Augsburg die evangelischen Kurfürsten und Fürsten des Heiligen Römischen Reiches vor Kaiser Karl V. – und ließen ihr Glaubensbekenntnis verlesen. Es war ein Akt von historischer Kühnheit: In einer Zeit, in der die Einheit der westlichen Christenheit zerbrochen war, in der Luthers Schriften verbrannt und seine Anhänger mit dem Bann bedroht wurden, traten Männer wie Kurfürst Johann von Sachsen und Markgraf Georg von Brandenburg öffentlich für die evangelische Lehre ein. Die Confessio Augustana – das Augsburger Bekenntnis – war das Dokument, in dem sie dies taten. Verfasst von Philipp Melanchthon auf der Grundlage der reformatorischen Erkenntnis Martin Luthers, ist sie bis heute das grundlegende Bekenntnis der lutherischen Kirchen weltweit und Teil des verbindlichen Lehrfundaments, auf dem unsere Kirche steht.

Der Ton des Gedenktages ist im 46. Psalm vorgegeben, dem Lied, das Luther zur Reformation wie kein zweites gehört: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ (Psalm 46,2) Aus diesem Psalm destillierte Luther sein großes Kampflied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der Psalm preist Gott als den, der mitten in Aufruhr und Erdbeben, in Sturmfluten und Völkergetöse der feste Ort bleibt. Genau diese Gewissheit trugen die Unterzeichner des Augsburger Bekenntnisses in die Augsburger Kaiserpfalz: Nicht Trotz gegen den Kaiser, sondern unerschütterliches Vertrauen in den, der Herr über alle Herren ist. Der Schlussvers des Abschnitts spricht es klar aus: „Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.“ (Psalm 46,8.12)

Dass öffentliches Bekennen und das Hören auf Gottes Wort untrennbar zusammengehören, zeigt die Szene aus dem Buch Nehemia (8,1–12). Das Volk Israel ist aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt und versammelt sich auf dem Platz vor dem Wassertor. Der Schreiber Esra bringt das Buch des Gesetzes und liest daraus vom frühen Morgen bis zum Mittag vor – und das Volk hört aufmerksam zu, stehend (Nehemia 8,3). Die Leviten erklären den Text, sodass alle ihn verstehen können (Vers 8): Schriftlesung und Auslegung, Hören und Verstehen als Grundvollzug des Gottesvolkes. Die Confessio Augustana entstand aus demselben Impuls: Die Schrift allein – sola scriptura – sollte der Maßstab sein, an dem Lehre und Leben der Kirche gemessen werden. Was Nehemia und Esra vorlebten, wurde zur Grundüberzeugung der Reformation: Das Wort Gottes ist öffentlich, verständlich und für alle zugänglich – nicht Besitz einer gelehrten Elite.

Der erste Timotheusbrief (6,11–16) gibt dem Gedenktag seinen persönlichen, mahnenden Beiklang. Paulus ruft Timotheus auf, den „guten Kampf des Glaubens“ zu kämpfen und „das ewige Leben zu ergreifen, wozu du berufen bist und das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen abgelegt hast.“ (Vers 12) Das Bekennen – griechisch homologia – ist keine abstrakte Lehrformel, sondern ein lebendiger Akt vor Zeugen, der den ganzen Menschen fordert. Paulus erinnert daran, dass auch Christus Jesus „vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugte“ (Vers 13): Das Bekenntnis hat seine Wurzel im Kreuz. Wer bekennt, stellt sich in die Linie derer, die bereit waren, ihren Glauben auch dann nicht zu verleugnen, wenn es sie etwas kostete. Die Unterzeichner des Augsburger Bekenntnisses wussten, dass sie damit ihr Leben riskierten – und unterzeichneten dennoch.

Den letzten, entscheidenden Gedanken bringt das Evangelium (Matthäus 10,26–33). Jesus sendet seine Jünger aus und warnt sie vor der Verfolgung – und er sagt ihnen: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht töten können.“ (Vers 28) Das Bekennen vor Menschen ist für Jesus keine fromme Pflicht, sondern Ausdruck einer Beziehung: „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ (Vers 32) Dieser Satz ist das Herzstück des Gedenktages. Die Confessio Augustana ist ihrem Wesen nach keine politische Kampfschrift, sondern ein Akt des Bekennens vor Gott und Menschen. Ihre Unterzeichner bekannten, weil sie wussten: Wer schweigt, wo Christus spricht, der verleugnet ihn. Und wer bekennt, dem hat Christus selbst sich verbürgt. Auf dieser Verheißung ruht unsere Kirche bis heute.

Α
Ω
Augsburger Bekenntnis
Bekenntnisfest – 25. Juni
Tagesspruch
„Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.“
Psalm 119,46
Bildeindrücke
Augsburger Bekenntnis – Confessio Augustana 1530
Augsburg, 25. Juni 1530: Die evangelischen Fürsten lassen die Confessio Augustana vor Kaiser Karl V. verlesen – ein Bekenntnis, das Kirchen­geschichte schrieb und bis heute das Fundament lutherischer Lehre bildet

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