Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Sinnliche Zeichen im Gottesdienst
Altarraum St. Martin mit Kerzen Altarraum von St. Martin – Licht, Stoffe und Leuchter als sinnliche Zeichen der Gegenwart Gottes

Der evangelisch-lutherische Glaube ist kein reiner Gedankenglaube. Wie bereits auf der Seite Glauben im Leben beschrieben, will der Glaube gelebt, gefeiert und mit allen Sinnen erfahren werden. Die Gottesdienste in unserer Kirchengemeinde St. Martin tragen dieser Überzeugung bewusst Rechnung: Seit Beginn der Kirche wurde bei der Ausgestaltung der Liturgie stets bedacht, wie man die Bedürfnisse und Sinne des Menschen ansprechen kann – und brachte diese Überlegungen in Übereinstimmung mit dem Zeugnis der Heiligen Schrift.

Sinnliche Zeichen sind dabei keine bloße Dekoration und kein frommer Zierrat. Sie sind Sprache des Glaubens – sichtbar, hörbar, riechbar, tastbar. Sie sprechen das Herz dort an, wo Worte allein nicht hinreichen. Und sie verbinden uns als feiernde Gemeinde über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg mit den Glaubensmüttern und -vätern aller Generationen.

Was sind sinnliche Zeichen?

Sinnliche Zeichen im Gottesdienst sind alle jene Elemente, die über das gesprochene Wort hinausgehen und den Menschen in seiner ganzen leiblichen Wirklichkeit ansprechen: Die Farben der Tücher auf Altar, Kanzel, Taufstein und Lesepult; die Stoffe und Gewänder der Mitwirkenden; das Leuchten der Kerzen; der aufsteigende Weihrauchduft; die stumme Pracht der Leuchter. Jedes dieser Zeichen trägt eine Bedeutung, die sich über Jahrhunderte in der Tradition der lutherischen Kirche bewährt hat.

Die Verwendung solcher Zeichen ist theologisch kein Selbstzweck. Sie dient dem Ziel, das im Gottesdienst Gefeierte auch sinnlich wahrnehmbar zu machen: die Gegenwart Gottes, die Heiligkeit des Augenblicks, die Tiefe der überlieferten Glaubenstradition.

Stoffe und liturgische Farben – das sichtbare Kirchenjahr

Die farbigen Behänge auf Altar, Kanzel, Taufstein und Lesepult sowie die Gewänder der Mitwirkenden folgen den liturgischen Farben des Kirchenjahres und machen die wechselnden Zeiten und Festkreise bereits beim Eintreten in die Kirche sichtbar. Weiß steht als Festfarbe für Reinheit, Licht und Auferstehung; Rot für das Feuer des Heiligen Geistes und das Blut der Märtyrer; Grün für das Wachstum im Glauben in der langen Trinitatiszeit; Violett für Besinnung, Umkehr und Buße in Advent und Passion; Schwarz als Zeichen der Trauer am Karfreitag und am Totensonntag.

Dazu gehören Antependien – also Altar- und Kanzelbehang, Velum und Kelchvelum – ebenso wie die Paramente der Mitwirkenden: Albe, Talar, Chorhemd, Stola und Chormantel, jedes Kleidungsstück mit seiner eigenen Symbolik und lutherischen Traditionsgeschichte. Kleidung hat im Gottesdienst einen Symbol- und Zeichencharakter: Sie erzählt von der Rolle, die die Mitwirkenden stellvertretend für die Gottesdienstgemeinde wahrnehmen.

Kerzen und Leuchter – das Licht Christi

Brennende Kerzen erinnern an Christus, der sich selbst als „Licht der Welt" bezeichnet hat (Johannes 8, 12). Altarkerzen, Osterkerze, Opferkerzen und Adventskerzen tragen je ihre eigene theologische Bedeutung. Die Osterkerze, in der Osternacht in die dunkle Kirche getragen, ist die gemeinsame Taufkerze der Gemeinde – an ihr werden noch heute die Taufkerzen der Neugetauften entzündet.

Die Altarleuchter und der Osterleuchter, die Flambeaux, die bei Prozessionen und zur Evangeliumslesung getragen werden, und der siebenarmige Leuchter – der im christlichen Sinne als Abbild Christi und als Verweis auf den siebenfachen Geist Gottes gedeutet wird – sind sichtbarer Ausdruck des Lichts, das in die Dunkelheit leuchtet. Auch die zwölf Apostelkerzen an den Weihekreuzen der Kirchenwände erinnern daran, dass das Licht des Glaubens durch die Apostel zu uns gelangt ist und berufen ist, weitergegeben zu werden.

Weihrauch – Gebet, das aufsteigt

Der Weihrauch gilt als biblisch bezeugtes Schöpfungselement, dessen Verwendung auch im deutschen Luthertum Tradition hat. Er ist sinnliches Zeichen und Bedeutungsträger zugleich: sichtbares Zeichen der Gebete, die vor Gottes Angesicht aufsteigen, und zugleich Mahnung an die Gläubigen, ihre Gebete mit dem aufsteigenden Rauch zu vereinen. So steht in Psalm 141, 2: „Mein Gebet möge vor dir gelten als ein Räucheropfer, das Aufheben meiner Hände als ein Abendopfer."

Der Duft des Weihrauchs verbindet Himmel und Erde – und macht damit erfahrbar, was der Gottesdienst im Tiefsten ist: eine Begegnung zwischen dem Menschen und dem Heiligen. Insbesondere durch die Nutzung des Weihrauchs in ökumenischen Gottesdiensten kommt zudem das gemeinsame Erbe der christlichen Kirchen zum Ausdruck.

Gesten, Bewegungen und Handlungen

Der Gottesdienst ist nicht nur Wort und Klang – er ist auch Bewegung, Haltung und Handlung. Das Falten der Hände und die erhobenen Handflächen beim Gebet, das Kreuzzeichen als Taufgedächtnis, die tiefe Verneigung vor dem Altar, der Einzug unter dem Vortragekreuz, die Prozession mit dem Evangelium in die Mitte der Gemeinde: Jede dieser Gesten ist Theologie in Bewegung.

Und selbst der Raum spricht. In Kirchen mit Ost-West-Ausrichtung – wie St. Martin in Zwochau – steht das Lesepult an der Nordseite, der dunklen Seite ohne direktes Sonnenlicht. Dort wird das Evangelium verlesen, in dem Christus als Licht der Welt spricht. Das Wort erhellt symbolisch genau jene Seite, die das natürliche Licht nicht erreicht.

Tradition, die lebendig bleibt

Die sinnlichen Zeichen des Gottesdienstes sind kein Relikt einer vergangenen Frömmigkeitskultur. Sie sind lebendiger Ausdruck des Glaubens, der – wie auf der Seite Glauben im Leben betont – gelebt und immer neu entdeckt werden will. Ihre Pflege und Wiederentdeckung in unserer Kirchengemeinde folgt konsequent lutherischer Tradition: nicht Neuerung um der Neuerung willen, sondern bewusstes Anknüpfen an das Erbe, das uns trägt.

Die Erneuerung der Kirche muss durch die Erneuerung der Herzen erfolgen – nicht durch neue Gottesdienstformen, die ihn zunehmend säkularisieren. So steht schon in Römer 12, 2: „Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille." Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir müssen nur daran drehen.

Unser Service


Wir sind eine lebendige Gemeinschaft im Glauben. Unsere Kirche ist ein Ort der Begegnung, des Gebets und der Unterstützung im Alltag.

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Altarraum der St. Martin Kirche

Kontakt


Ev. Kirchengemeinde St. Martin 
Zwochauer Schulstraße 2
04509 Wiedemar OT Zwochau
Pfarrer Thomas Pfeifer 

034243 - 28 000 oder 0163 - 63 70 972

Pfarrbüro: dienstags 13.00 –14.15 Uhr
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