Mit dem ersten Advent beginnt nicht nur die Vorweihnachtszeit im volkstümlichen Sinne – es beginnt das neue Kirchenjahr. Und mit ihm tritt die Kirche in den Weihnachtsfestkreis ein: jenen großen liturgischen Bogen, der von der stillen Erwartung des Advents bis zum Abschluss der Weihnachtszeit führt und im Mittelpunkt eine einzige, alles verändernde Botschaft trägt: Gott ist Mensch geworden.
Der Weihnachtsfestkreis gliedert sich in drei Zeiten, die sich ergänzen wie Vorbereitung und Erfüllung: die Adventszeit, die Weihnachtszeit und die Epiphaniaszeit. Beide zusammen umspannen gut zwei Monate des Kirchenjahres und geben dem Glauben einen Rhythmus, der tiefer reicht als jeder Kalender des Alltags.
Die Adventszeit eröffnet den Festkreis mit vier Wochen der Erwartung und inneren Vorbereitung. Ihr Name leitet sich vom lateinischen adventus ab – Ankunft. Es ist die Ankunft, auf die Israel Jahrhunderte gewartet hat und auf die wir als Kirche noch immer warten: die endgültige Ankunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit. Zugleich aber bereiten wir uns auf das Gedächtnis seiner ersten Ankunft vor – in Armut, Stille und Niedrigkeit. Die liturgische Farbe Violett zeigt: Diese Zeit ist ernst. Sie fordert Umkehr, Wachsamkeit und ein aufgeräumtes Herz.
Mit dem Heiligabend bricht die Weihnachtszeit an. Was die Adventszeit vorbereitet hat, tritt nun in die Welt: das Wort wird Fleisch, Gott wohnt unter uns. Die Farbe wechselt von Violett zu Weiß – Licht, Reinheit, Freude. Die Weihnachtszeit ist keine kurze Stimmung, die am 26. Dezember verblasst; sie entfaltet sich über Wochen. Sie führt von den Christtagen über Altjahresabend und Neujahr bis zum Erscheinungsfest am 6. Januar, zu den Sonntagen nach Epiphanias und schließlich bis zum Fest der Darstellung des Herrn – dem Lichtmess am 2. Februar. Damit schließt sich der Bogen: Das Kind, das in der Krippe lag, wird im Tempel dem Herrn dargestellt und von Simeon als „Licht zur Erleuchtung der Heiden" begrüßt.
Die Epiphaniaszeit beginnt am 6. Januar und stellt Christus als das Licht der Welt in den Mittelpunkt. In den Sonntagen zeigt sich seine Herrlichkeit in Wort und Tat. Mit dem Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) am 2. Februar endet diese Zeit, in der Jesus als Licht für alle Menschen erkannt wird.
Der Weihnachtsfestkreis ist damit weit mehr als ein Fest der Gemütlichkeit oder ein religiöser Rahmen für den Dezember. Er ist die jährliche Einladung der Kirche, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes neu zu bedenken und sich davon berühren zu lassen: dass der Schöpfer des Himmels und der Erde in einem Kind am Rande der Welt erschienen ist – und damit alles verändert hat.
Auf den Seiten zum Osterfestkreis finden Sie Informationen zum anderen großen Festkreis des Kirchenjahres, der Passions- und Osterzeit.