Ostern ist das älteste und bedeutsamste Fest des christlichen Glaubens – älter als Weihnachten, tiefer verwurzelt als alle anderen Feste des Kirchenjahres. Um dieses Hochfest herum hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte einen großen Festkreis gebildet, der das ganze Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi in den Blick nimmt und liturgisch begeht: den Osterfestkreis.
Er gliedert sich in drei große Abschnitte, die sich wie Spannung und Lösung, wie Nacht und Morgendämmerung, wie Tod und Leben zueinander verhalten: die Vorfasten- und Vorpassionszeit, die Fasten- und Passionszeit und die Österliche Freudenzeit. Alle drei zusammen umspannen rund drei Monate des Kirchenjahres und prägen den Rhythmus des Gemeindelebens tief und nachhaltig.
Die Vorfasten- und Vorpassionszeit beginnt etwa 9 Wochen vor Ostern. Sie hat drei Sonntage: Septuagesimä (70 Tage vor Ostern), Sexagesimä (60 Tage vor Ostern) und Estomihi. Die Tagesanzahl ist symbolisch, nicht mathematisch korrekt.
Die Fasten- und Passionszeit beginnt am Aschermittwoch und erstreckt sich über vierzig Tage bis zum Karsamstag. Es ist eine Zeit des Innehaltens, der Buße und der inneren Vorbereitung. Die Gemeinde begleitet Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem, durch die Dunkelheit des Verrats, des Leidens und des Todes. Die liturgische Farbe Violett zeigt: Diese Zeit fordert Ernst und Umkehr. Zugleich ist sie keine Zeit der Hoffnungslosigkeit, denn schon in der tiefsten Nacht des Karfreitags leuchtet das Versprechen der Auferstehung hindurch.
Mit der Osternacht bricht dann die Österliche Freudenzeit an. Fünfzig Tage lang, bis zum Pfingstfest, feiert die Kirche die Auferstehung des Herrn. Das Violett weicht dem strahlenden Weiß und Gold, das Schweigen dem Jubel, die Trauer der Freude. Die Österliche Freudenzeit ist keine bloße Verlängerung des Ostersonntags, sondern eine eigenständige, tiefe Feierzeit, in der die Gemeinde die Gegenwart des Auferstandenen immer neu entdeckt und bezeugt.
Der Osterfestkreis ist damit weit mehr als eine liturgische Abfolge von Sonn- und Festtagen. Er ist eine Einladung, den Kern des christlichen Glaubens Jahr für Jahr neu zu durchleben: dass Gott in Jesus Christus in die tiefste menschliche Not – in Schuld, Leiden und Tod – hineingegangen ist und sie von innen her überwunden hat. Wer sich auf diesen Festkreis einlässt, begibt sich auf einen Weg, der durch die Dunkelheit hindurch zum Licht führt.
Auf den Seiten zum Weihnachtsfestkreis finden Sie Informationen zum anderen großen Festkreis des Kirchenjahres, der Advents- und Weihnachtszeit.