Die Zeit der Vorpassion bildet im Kirchenjahr einen stillen Übergang zwischen der weihnachtlich geprägten Epiphaniaszeit und der beginnenden Passionszeit vor Ostern. Sie lädt dazu ein, sich innerlich auf den Weg nach Ostern vorzubereiten – behutsam, ohne bereits ganz in die Tiefe der Leidenszeit einzutreten.
Je nach Lage des Osterfestes umfasst die Vorpassionszeit mehrere Sonntage. Traditionell sind dies die drei Sonntage Septuagesimä, Sexagesimä und Estomihi. In der neueren Ordnung (Perikopenrevision 2018) können auch zwei Sonntage hinzukommen. Diese Zeit dient gewissermaßen als „Puffer“ im Kirchenjahr und führt thematisch Schritt für Schritt hin zur Passion Christi. Der 5. und 4. Sonntag vor der Passionszeit bildenen einen weiteren Vorbereitungsraum nach der Epiphaniaszeit - eine thematische Hinführung, falls das Osterfest spät im Frühjahr liegt. Diese beiden Sonntage gehören nicht zur klassischen Festkreistruktur.
Inhaltlich spannen die klassischen drei Sonntage der Vorpassionszeit einen geistlichen Bogen: Sie beginnen mit dem Blick auf Gottes Wirken und Gnade, lenken dann auf das Hören seines Wortes und führen schließlich hin zur Ankündigung des Leidens Jesu. Besonders am Sonntag Estomihi tritt erstmals deutlich hervor, dass der Weg Jesu zum Kreuz führt.
So ist die Vorpassion eine Zeit der Sammlung und Ausrichtung. Noch steht nicht das Leiden im Vordergrund, sondern die Vorbereitung darauf – im Hören auf Gottes Wort, im Vertrauen auf seine Führung und im bewussten Leben aus seiner Gnade. Alles ist bereits auf Ostern hin ausgerichtet, das Ziel des Kirchenjahres und Mittelpunkt des christlichen Glaubens.
Diese Sonntage laden uns ein, innezuhalten und uns neu auf Christus auszurichten: auf seinen Weg, der durch das Leiden hindurch zum Leben führt.