Mit dem Sonntag Septuagesimä beginnt die Vorpassionszeit. Der Blick richtet sich auf den Weg hin zur Passion Jesu – und zugleich auf das, was unser Leben vor Gott bestimmt: nicht eigener Verdienst, sondern seine Gnade.
Der Prophet Jeremia (Jeremia 9, 22–23) mahnt, sich nicht auf eigene Stärke, Weisheit oder Reichtum zu verlassen. Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er Gott erkennt. Damit wird deutlich: Der Maßstab unseres Lebens liegt nicht in dem, was wir leisten, sondern in der Beziehung zu Gott.
Die Epistel (Philipper 2, 12–13) hält diese Spannung fest: Der Mensch ist gerufen, sein Heil „mit Furcht und Zittern“ zu leben – und doch ist es Gott selbst, der in uns wirkt, „beides, das Wollen und das Vollbringen“. Alles christliche Leben ist Antwort auf Gottes Handeln.
Im Evangelium (Matthäus 20, 1–16) erzählt Jesus das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Alle erhalten den gleichen Lohn – unabhängig von ihrer Leistung. Dieses Gleichnis stellt unsere menschlichen Maßstäbe in Frage und verweist auf Gottes Gerechtigkeit, die Gnade ist. „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“
So lädt der Sonntag Septuagesimä ein, neu zu verstehen, woraus wir leben: nicht aus dem, was wir vorweisen können, sondern aus Gottes freier Gnade. Sie trägt und ruft zugleich in die Nachfolge – im Vertrauen darauf, dass Gott selbst das Gute in uns wirkt.