Die umfangreichen Voruntersuchungen brachten zahlreiche Ergebnisse, die für die Restaurierung des Vortragekreuzes maßgeblich und zielführend waren. Es konnte zum einen eine historische Datierung erfolgen: Die Entstehung wird in der Zeit der Aufstellung des barocken Altars um 1730 für äußerst wahrscheinlich gehalten. Zum anderen wurden zahlreiche Farbspuren und Reste von verschiedenen Metallauflagen aus unterschiedlichen Epochen gefunden, glücklicherweise auch aus der Entstehungszeit.
Deshalb konnte eine Restaurierung der Originalfassung angestrebt werden.
Über die Jahrhunderte hatte das Vortragekreuz leider viele Schadstellen aufzuweisen. Es fehlten Finger, ein Teil der Dornenkrone, ein Kreuzigungsnagel und ein Teil des Zierrandes an der Tragestange.
Die Oberflächen bestanden teilweise aus allen Schichten der verschiedenen Farbfassungen und waren entsprechend dick. Teile davon waren abgerieben, abgefallen oder lose. Keine Stelle der historischen Originalfassung war noch sichtbar.
Die Kreuzstangen mit Engelskopf und INRI-Schild sowie die Tragestange waren von einem einheitlich schwarzen Anstrich überzogen. Lediglich am Kopf waren noch Metallauflagen in Gold erkennbar. Ebenso war der Körper mit goldenen Metallauflagen überzogen, aber als solche kaum noch erkennbar, da die Patina, die über diese Auflage gezogen wurde, durch die Jahre matt und nachgedunkelt war. Daher sieht man sie als graue Schicht auf den Fotos. Zudem war die gesamte Oberfläche verschmutzt.
Diese fehlenden hölzernen Teile mussten nachgeschnitzt und ergänzt werden. Die losen Farbschichten mussten entfernt und Übergange geglättet und geschliffen werden, um einen ebenen und tragfähigen Untergrund herzustellen.
Anschließend mussten entsprechend der historischen Funde die Farben gemischt und aufgetragen werden. Anschließend erfolgte die Grundierung für die verschiedenen und zahlreichen Metallauflagen.
Bei den Metallauflagen handelt es sich um: Versaille Gold, Dukaten Doppelgold, Weißgold, Palladium.
Die Tragestange wurde in den Hohlkehlen ebenso wieder in den Originalzustand zurückgeführt, der sich an den Grautönen der historisch restaurierten Kanzel orientiert. Die Kanzel wurde zur selben Zeit und von selben Künstler eingebaut: Michael Ephraim Döbel (* 1695 Königsberg, russisch Kaliningrad; † 17. Juni 1746 Delitzsch) und von Georg Zinke bemalt.
Die Restaurierung des Vortragekreutes erstreckte sich von 2023 bis 2025. Ursächlich hierfür waren umfangreiche und intensive Untersuchungen und Nachuntersuchungen sowie aufwändige Arbeiten an der Farb- und Metallfassung. Zudem kam es in dieser Zeit zu einer erheblichen Teuerungen durch die geolpolitische Lage (russischer Angriff auf die Urkaine und versträkte Handelskonflikte). Hierdurch hat sich die Finanzierung des Projektes stark verändert: Was urpsrünglich als Betrag geplant war, verdoppelte sich am Ende fast.
Die Kirchengemeinde konnte dank Ihrer großzügigen Spenden und Ihrer freundlicher Unterstützungen die Finanzierung sichern, sodass das Ziel einer historisch originalgetreuen Restaurierung trotz aller Herausforderungen erreicht werden konnte.