Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Die Liturgie – Die innere Ordnung
Liturgie

Widmen wir uns dem Ablauf oder der inneren Ordnung des liturgischen Handelns – kurz der sog. Liturgie. Sie ist ein Erbe der vorangehenden Generationen und zugleich lebendige Teilnahme am Gottesdienst, die uns mit unseren Glaubensgeschwistern weltweit, aber auch mit den Glaubensmüttern und -vätern im Lobpreis Gottes vereint – eben über die Grenzen von Raum und Zeit. Sich diesem Weg zu nähern ist lohnenswert. Es bereichert und belebt das geistliche Leben, ordnet und macht es sinnreich.

Die Liturgie ist keine Show, die geschauspielert wird. Sie benötigt keine Events und Überraschungen, sie lebt von der feierlichen Wiederholung. Es ist nicht Aufgabe der Liturgie, für Unterhaltung und Abwechslung zu sorgen; sie soll keine Augenblickserfolge für wechselnde Zielgruppen schaffen und nicht versuchen, die liturgische Feier mit modischen Mätzchen attraktiver zu machen. Die Liturgie drückt das Geheimnis des Heiligen aus, denn mit der Liturgie feiern wir den Himmel auf Erden. Mit ihr gelingt es, das Immerwährende tiefer zu erfahren. Die wiederkehrende Liturgie ermöglicht die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Erst hierdurch wird Liturgie ein gemeinschaftliches Tun der Kirche.

Die gleichbleibende Ordnung schafft die Möglichkeit, dass sich auch Besucher aus anderen Gemeinden im Gottesdienst zurechtfinden und zu Hause fühlen. Auch in den verschiedenen liturgischen Formen des Gottesdienstes finden sich diese Elemente wieder. Dabei sind gottesdienstliche Riten authentischer Ausdruck des Glaubens aus lebendiger Tradition, die seit urchristlichen Zeiten organisch gewachsen ist. So wirken Worte, Gesten und Zeichen ineinander und miteinander.

Die „Sprache" der Liturgie lässt sich vergleichen mit einem Urlaub in einem fremden Land. Man versteht anfangs nichts und bekommt nur einen Eindruck von der Melodie der Sprache. Macht man sich jedoch mit der Sprache vertraut, unterscheidet man schnell einzelne Worte. Richtig gelernt, gebraucht man sie bald mühelos.

Die Elemente der Liturgie

Grundsätzlich ist der Messgottesdienst zweiteilig: Er beinhaltet den Wortgottesdienst und die Abendmahlsfeier. Die Gegenwart Christi im Evangelium ist gleichwertig mit der Gegenwart Christi im Abendmahl. So schrieb schon Origenes im 3. Jahrhundert: „Ihr, die ihr gewöhnlich an den göttlichen Geheimnissen teilnehmt, sollt wissen, wie ihr den Leib des Herrn, wenn ihr ihn empfangt, mit aller Vorsicht und Verehrung schützt … Doch wenn ihr seinen Leib entsprechend vorsichtig bewahrt, wie könnt ihr meinen, dass es weniger schuldhaft wäre, Gottes Wort zu missachten, als seinen Leib zu missachten?"

Eröffnung und Anrufung

Der Einzug ist einmal mehr und einmal weniger feierlich, ihm ist aber immer der Vorzug zu geben, sodass der Gottesdienst nicht mit einem sitzenden Liturgen beginnt. Der Einzug ist eine Prozession – der Gang zum Altar – und stellt nicht nur eine äußerliche, sondern auch eine innere Annäherung des Liturgen und der Gemeinde zum Altar dar.

Das gemeinsam gesungene Eingangslied sah bereits Luther in seiner Gottesdienstordnung von 1526 vor. Damit eröffnet die Gemeinde ihren Gottesdienst selbst. Das trinitarische Votum („Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.") macht deutlich: Gott sendet und ruft uns. In seinem Namen sind wir hier. Es stammt aus dem Taufbefehl (Matthäus 28, 19) und erinnert an die Taufe. Der Vers „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat," (Psalm 121, 2 und 124, 8) verdeutlicht, dass wir als Hilfesuchende zusammengekommen sind. Die Grußformel „Der Herr sei mit euch. // Und mit deinem Geist." (Salutatio) stammt aus dem Alten Testament und gilt als Austausch von Segenswünschen.

Der Psalm und das Gloria patri bilden eine Einheit: Der Psalm – meist als Wechselgebet gesprochen – spiegelt die Grundstimmung des Gottesdienstes wider und stellt die Verbindung zum Volk Israel her. Die Gemeinde schließt den Psalm mit dem Gloria patri ab: „Ehr' sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen." Es entfällt von Palmsonntag bis Karsamstag.

Im Sündenbekenntnis geht es nicht um das Eingestehen einzelner Sünden, sondern um das Bekenntnis, dass wir Menschen grundsätzlich hilflos und auf Erbarmung angewiesen sind. Das Kyrie ist Ausdruck des Angewiesenseins auf Gottes Erbarmen und der Suche nach Kontakt mit Gott. Anschließend verkünden wir die Erhörung unseres Gebets und singen das Gloria in excelsis – den Engellobpreis der Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, 14). Es entfällt vom 2.–4. Advent, von Aschermittwoch bis Karsamstag (außer am Gründonnerstag) und am Buß- und Bettag. Das Tagesgebet lässt den Charakter des Sonntages anklingen, fasst den Gebetsteil zusammen und führt zu den Lesungen.

Verkündigung und Bekenntnis

Im Verkündigungsteil erfolgen die Bibellesungen. Psalm, alttestamentliche Lesung und Epistel bereiten wesentlich auf das Evangelium vor – Paulus sagt: Glaube kommt vom Hören (Römer 10, 17). Die Lesungen aus dem Alten Testament und den Episteln enden mit „Worte der Heiligen Schrift.", worauf die Gemeinde antwortet: „Gott sei Lob und Dank!" Das Wochen- bzw. Tageslied hat seinen liturgischen Platz im Zusammenhang mit der Schriftlesung.

Das Halleluja („preiset Gott") dient als Aufgesang der Begrüßung des Evangeliums. Die Gemeinde erhebt sich vor dem Hallelujagesang und bleibt bis zum Ende der Evangelienlesung stehen. Es entfällt von Septuagesimae bis Karsamstag und am Buß- und Bettag. Die Lesung des Evangeliums findet auf der Nordseite des Kirchenraums statt – im Norden scheint niemals die Sonne, er gilt als Symbol der Finsternis, in die das Evangelium als Licht hinein leuchtet (Johannes 1, 5).

Das Glaubensbekenntnis ist kein Gebet, sondern ein Bekenntnis und eine Bekräftigung – Lob und Antwort der Gemeinde auf die gehörten Bibelstellen. Das Lobpreislied vor der Predigt soll als Bitte um rechtes Hören verstanden werden. Vor der Predigt grüßt der Liturg von der Kanzel (Kanzelgruß), z. B. mit dem apostolischen Gruß (2. Korinther 13, 13). Am Ende der Predigt folgt der Kanzelsegen, meist nach Philipper 4, 7. Die Gemeinde antwortet: Amen.

Es folgen das Predigtlied und die Fürbitten, in denen dem Herrn die Not der Erde und Dank für die Welt vorgetragen werden (1. Timotheus 2, 1). Die Fürbitten werden mit dem Vaterunser beendet, wenn kein Abendmahl folgt. Danach schließt sich die Abendmahlsfeier an, gefolgt von den Abkündigungen aus der Gemeinde. Nach dem Ausgangslied folgen Sendung und Segen: Die Sendung „Gehet hin im Frieden des Herrn!" stellt weniger eine Entlassung als vielmehr eine Beauftragung dar – eine Entsendung in den Gottesdienst in der Welt. Auf den Segen antwortet die Gemeinde mit dem gesungenen dreifachen Amen.

Die Gottesdienstordnung zum Mitnehmen

Die Ordnung des Gottesdienstes auf einen Blick – als Handzettel zum Herunterladen.

Vade mecum … zur Evangelischen Messe

Die Schriften tragen den lateinischen Namen „Vade mecum", zu deutsch: „Geh mit mir". Die Reihe hat den Titel: „… zur Evangelischen Messe". Die insgesamt sechs Hefte helfen dem Verständnis des Geschehens, der Stoffe und liturgischen Geräte im Gottesdienst. Lesen Sie nach und erleben Sie den nächsten Gottesdienst mit neuen Eindrücken und unter anderen Gesichtspunkten. Weitere Informationen finden Sie in unseren Publikationen.

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