Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Der Leib betet mit

Der Gottesdienst ist nicht nur Wort und Klang. Er ist auch Bewegung, Haltung und Handlung. Wer ihn mit offenen Augen feiert, entdeckt eine Zeichensprache, die so alt ist wie die Kirche selbst: Gesten des Gebets und des Segens, Bewegungen durch den Raum, Handlungen am Altar – jede mit ihrer eigenen Bedeutung, jede eingebunden in die Logik der Liturgie.

Sinnliche Zeichen sind Sprache des Glaubens. Was für Stoffe, Farben, Kerzen und Weihrauch gilt, gilt in gleicher Weise für das, was die Menschen im Gottesdienst mit ihren Leibern tun und vollziehen: Auch der Leib bekennt. Auch der Leib betet.

Raum und Ausrichtung

Kirchen, die – wie St. Martin in Zwochau – in einer Ost-West-Ausrichtung erbaut wurden, folgen einer alten kosmologischen Symbolik: Der Chor mit dem Altar weist nach Osten, zur aufgehenden Sonne, dem Symbol der Auferstehung Christi und seiner Wiederkunft. Die Gemeinde betet und feiert in Richtung des kommenden Herrn.

Die Nordseite des Kirchenschiffs gilt in dieser Tradition als die dunkle Seite – die Seite, die nie direkte Sonneneinstrahlung empfängt. Kein Zufall also, dass in vielen Kirchen mit Ost-West-Ausrichtung das Lesepult an der Nordseite steht. Dort wird das Evangelium verlesen – jene Texte, in denen Christus selbst spricht, der sich als „Licht der Welt“ (Johannes 8, 12) bezeichnet hat. Das Evangelium erhellt so symbolisch genau die dunkle Seite: Das Wort Christi wendet sich dorthin, wo das natürliche Licht fehlt. Die Geste des Lesepults an der Nordseite ist damit keine bautechnische Zufälligkeit, sondern theologische Aussage in Stein und Raum.

Gesten des Gebets

Das Falten der Hände ist im deutschen Luthertum die geläufigste Gebetshaltung. Sie hat ihre Wurzel in einem mittelalterlichen Huldigungsgestus: Wer einem Lehnsherrn die Treue schwor, legte seine Hände in die Hände des Herrn. Die gefalteten Hände im Gebet sprechen damit dieselbe Sprache: Ich lege mich in Deine Hände, HERR. Ich bin Dein.

Das Erheben der Hände – die sogenannte Oranten-Haltung, mit nach oben geöffneten Handflächen – ist die ältere und in der Alten Kirche verbreitete Gebetshaltung. Sie findet sich schon auf frühchristlichen Fresken und entspricht dem Bild aus Psalm 141, 2: das Aufheben der Hände als Abendopfer. In unserer Kirchengemeinde findet sie sich beim Pfarrer oder des liturgisch Handelnden während bestimmter Gebete der Liturgie.

Das Knien ist Zeichen der Anbetung und der Demut vor Gott. Es unterscheidet sich vom Beugen des Kniees als Zeichen der Ehrfurcht, das an bestimmten Stellen der Liturgie – etwa beim Eintreten in den Altarraum – vollzogen werden kann. Auch die tiefe Verneigung vor dem Altar als Zeichen der Ehrfurcht vor der Gegenwart Gottes gehört zu diesen körperlichen Ausdrucksformen des Glaubens.

Das Kreuzzeichen – die Hand von der Stirn zur Brust, von der linken zur rechten Schulter – ist im Luthertum keine „katholische“ Geste, sondern ausdrücklich lutherische Tradition. Luther empfiehlt es im Kleinen Katechismus zum Morgen- und Abendgebet: „Des Morgens, wenn du aufstehst, sollst du dich segnen mit dem heiligen Kreuz.“ Es ist Taufgedächtnis und Bekenntnis in einem: In diesem Zeichen bin ich getauft.

Handlungen am Altar

Die Gabenbereitung – das Herrichten von Kelch, Patene und Hostienschale vor dem Abendmahl – ist keine bloße liturgische Vorbereitung. Sie ist selbst Zeichen: Die Elemente werden mit Sorgfalt und in einer bestimmten Reihenfolge zubereitet, das Korporale ausgebreitet, die Bursa geöffnet. Jeder Handgriff hat seinen Platz. Diese Ordnung ist Ausdruck der Ehrfurcht vor dem, was in der Feier des Heiligen Abendmahls gegenwärtig wird.

Das Einschenken des Weines und die Beigabe einiger Tropfen Wasser in den Kelch hat symbolischen Gehalt: Das Wasser steht für die menschliche Natur Christi, der Wein für seine göttliche. Beides gehört zusammen – wie in der Person Jesu Christi selbst.

Die erhobenen Hände beim Segen am Ende des Gottesdienstes sind keine persönliche Geste der Person. Die Person segnet nicht aus eigener Vollmacht, sondern als Beauftragter. Was er spricht und was seine Hände vollziehen, geht von Gott aus und gilt der Gemeinde. Der Aaronitische Segen – „Der HERR segne dich und behüte dich …“ (4. Mose 6, 24–26) – ist dabei die älteste überlieferte Segensformel der Bibel überhaupt und wird in unserer Gemeinde am Ende des Gottesdienstes gesprochen.

Bewegungen im Gottesdienst

Der Einzug zu Beginn des Gottesdienstes – Kreuzträger, Kerzenträger, Pfarrer – ist keine Inszenierung, sondern Theologie in Bewegung: Die Gemeinde wird in die Feier hineingerufen, Christus geht ihr voran, symbolisiert durch das Vortragekreuz. Der Auszug am Ende vollzieht die umgekehrte Bewegung: Die Gemeinde wird in die Welt gesandt, wiederum unter dem Kreuz.

Die Prozession zum Evangelium – wenn das Evangelienbuch oder die Bibel mit Begleitung von Flambeaux zur Mitte der Gemeinde oder an das Lesepult getragen wird – macht sichtbar: Dieses Wort kommt zu den Menschen hin. Christus tritt in die Mitte.

All diese Zeichen, Gesten und Handlungen bilden zusammen mit den Stoffen, Farben, Kerzen und dem Weihrauch eine Gesamtsprache, die den Gottesdienst als das erfahrbar macht, was er ist: Himmel und Erde, die sich berühren.

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Altarraum der St. Martin Kirche

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04509 Wiedemar OT Zwochau
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034243 - 28 000 oder 0163 - 63 70 972

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