Der letzte Sonntag des Kirchenjahres führt an die Grenze der Zeit – und zugleich über sie hinaus. Er kann in zweifacher Weise begangen werden: als Ewigkeitssonntag mit dem Blick auf die kommende Herrlichkeit Gottes oder als Totensonntag im Gedenken an die Verstorbenen. Beide Formen verbinden sich in der Hoffnung, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist – über den Tod hinaus. In St. Martin sind traditionell die Paramente schwarz, wenn der Sonntag als Totengedenken gefeiert wird; üblicherweise sind sie weiß, wenn der Ewigkeitssonntag gefeiert wird.
Ewigkeitssonntag – Anbruch der Ewigkeit
Die Lesungen dieses Tages öffnen den Blick für Gottes neue Welt. Der Prophet Jesaja (Jesaja 65, 17–19.23–25) verheißt einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Leid und Klage ein Ende haben. In der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 21, 1–7) wird diese Hoffnung weitergeführt: Gott selbst wird bei den Menschen wohnen und „alle Tränen von ihren Augen abwischen“.
Im Evangelium (Matthäus 25, 1–13) mahnt das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen zur Wachsamkeit. Die Zukunft Gottes ist verheißen – doch sie will im Glauben erwartet werden. So lädt dieser Tag ein, das Leben auf Gottes kommende Wirklichkeit auszurichten und im Vertrauen auf seine Verheißung zu leben.
Totensonntag – In Gott geborgen
Als Totensonntag nimmt dieser letzte Sonntag besonders die Vergänglichkeit des Lebens und die Erinnerung an die Verstorbenen in den Blick. Im Buch Mose (5. Mose 34, 1–8) wird vom Sterben des Mose erzählt – getragen von Gottes Nähe bis zuletzt. Die Epistel (1. Korinther 15, 35–44a) spricht von der Verwandlung des Lebens: Was vergänglich ist, wird in Unvergänglichkeit auferweckt.
Im Evangelium (Johannes 5, 24–29) verheißt Jesus das Leben aus Gott: Wer sein Wort hört und glaubt, „der hat das ewige Leben“. So wird deutlich: Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Übergang in Gottes Wirklichkeit.
Beide Weisen, diesen Sonntag zu feiern, führen zusammen: in der Hoffnung auf die Ewigkeit und im Vertrauen, dass wir und unsere Verstorbenen in Gott geborgen sind. Darum lebt die Kirche aus dieser Hoffnung – im Gedenken, im Glauben und im Ausblick auf das Leben, das Gott vollendet.