Kein anderer Evangelist tritt so offen als Autor hervor wie Lukas. Am Beginn seines Evangeliums stellt er sich in einem sorgfältig formulierten Vorwort vor – in der Form des gelehrten Prologs, wie ihn antike Historiker und Wissenschaftler ihren Werken voranstellten (Lukas 1,1–4). Er berichtet, dass viele vor ihm Berichte abgefasst haben; er selbst hat alles „von Anfang an sorgfältig erkundet“ und spricht mit Augenzeugen. Sein Ziel ist ein geordneter Bericht, damit sein Adressat Theophilus „den sicheren Grund der Lehre erkenne, in der er unterwiesen ist.“ Hinter diesen nüchternen Sätzen steht ein ganzes Programm: Lukas schreibt nicht als visionärer Mystiker, sondern als gewissenhafter Forscher – und gerade darin wird er zum verlässlichen Zeugen des Glaubens.
Lukas ist der einzige neutestamentliche Autor, der ein Doppelwerk hinterlassen hat: das Evangelium und die Apostelgeschichte bilden zusammen das umfangreichste Zeugnis des Neuen Testaments. Er ist Arzt von Beruf – Paulus nennt ihn „den geliebten Arzt“ (Kolosser 4,14) –, und etwas von diesem ärztlichen Blick zeigt sich in seiner Sprache: die präzisen Beobachtungen, die Aufmerksamkeit für körperliche Leiden und Heilungen, die Sorgfalt im Umgang mit dem Einzelnen. Er ist der Evangelist der Frauen und Ausgegrenzten, der einzige, der das Magnificat der Maria überliefert, der allein die Heilung der zehn Aussätzigen erzählt und eigens vermerkt, dass nur einer zurückkehrte, um zu danken. Sein Evangelium ist durchdrungen von der Frage: Wer wird gehört? Wessen Geschichte wird erzählt?
Psalm 119,121–128 legt dem Fest seinen betenden Grundton unter. Der Psalmist fleht mit einer fast drängenden Intensität um Gottes Wort und Recht: „Meine Augen sähnen sich nach deinem Heil und nach deiner gerechten Verheißung.“ (Vers 123) Er bekennt seine Liebe zur Weisung Gottes – „mehr als Gold und Feingold“ (Vers 127) – und bittet, unterwiesen zu werden. Das ist der Geist, in dem Lukas an sein Werk herangeht: nicht als kühler Chronist, sondern als einer, der selbst unter dem Anspruch des Wortes steht, dem er nachforscht. Sein Schreiben ist ein Akt des Gehorsams gegenüber der Wahrheit, die er überliefert.
Das Wort des Propheten Jesaja (43,8–13) rückt Lukas in die große Linie der Zeugen Gottes. Gott versammelt sein Volk – Menschen, die Augen haben und doch blind sind, Ohren haben und doch taub – und spricht: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, auf dass ihr erkennt und mir glaubt.“ (Vers 10) Das Wort „Zeuge“ – griechisch martys – durchzieht das gesamte lukanische Doppelwerk wie ein roter Faden: von den „Augenzeugen“ des Prologs bis zur Verheißung in Apostelgeschichte 1,8: „Ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Erde.“ Lukas versteht sich selbst als Teil dieser Zeugniskette – nicht als Erfinder, sondern als Glied in der Überlieferung, der das anvertraute Wort weiterreicht.
Den persönlichsten Ton des Festes schlägt der zweite Timotheasbrief an (2. Timotheus 4,5–11). Paulus schreibt aus der Haft, am Ende seines Lebens, und zählt auf, wer ihn verlassen hat. Dann fällt ein einziger Satz, der den Evangelisten unvergesslich macht: „Nur Lukas ist bei mir.“ (Vers 11) Dieser treue Begleiter, der Paulus auf seinen Missionsreisen nicht verließ und ihm bis in die letzte Not folgte, ist derselbe, der in seinem Evangelium das berühmteste Gleichnis Jesu aufgezeichnet hat: den Vater, der seinen verlorenen Sohn von weitem kommen sieht und ihm entgegenläuft. Lukas blieb – und eben das spiegelt wider, was sein ganzes Werk bezeugt: das Evangelium als Nachfolge, die nicht abbricht.
„Ist Lukas mild und warm, folgt ein Winter, dass Gott erbarm.“
„Wenn zu Lukas Regen fällt, ist's mit dem Wetter schlecht bestellt.“
„Wer an Lukas Roggen streut, es im nächsten Jahr nicht bereut.“