Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Steh auf und folge mir nach – der Zöllner, den die Gnade erwählte

Matthäus – mit bürgerlichem Namen auch Levi, Sohn des Alphäus, genannt – saß an seinem Zollhaus in Kapernaum und arbeitete als Steuereinzieher für die römische Besatzungsmacht, als Jesus an ihm vorbeiging. In der jüdischen Gesellschaft galten Zöllner als Verräter und Kollaborateure, ausgegrenzt aus der religiösen Gemeinschaft und verachtet von Rechtschaffenen. Aus dieser Welt rief ihn Jesus mit zwei Worten heraus: „Folge mir nach!“ (Matthäus 9,9). Und Matthäus stand auf und folgte – ohne Zögern, ohne Bedingungen, ohne Rückfragen.

Was danach geschieht, ist bezeichnend für die Art Jesu: Er setzt sich zu Tisch mit Matthäus und seinen Freunden – „vielen Zöllnern und Sündern“. Die Pharisäer scandaliert das. Warum isst ihr Meister mit solchen Leuten? Jesus antwortet mit dem Wort, das zum Schlüssel nicht nur dieses Abendessens, sondern des ganzen Evangeliums wird: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ (Matthäus 9,12–13) Genau dieser Matthäus, den niemand auf eine Liste von Aposteln gesetzt hätte, wurde zum Verfasser des ersten Evangeliums im Kanon des Neuen Testaments. Sein Buch ist das am sorgfältigsten komponierte der vier: gegliedert in fünf große Redesammlungen – ein bewusstes Echo auf die fünf Bücher Mose –, geschrieben für eine Gemeinde, die ihre Bibel kennt und nach der Brücke zwischen dem alten und dem neuen Bund sucht.

Psalm 34,2–11 gibt dem Fest seinen Lobklang. „Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ Es ist das Lied eines Armen, der in der Not gerufen hat und erhört wurde: „Dieser Elende rief, und der HERR hörte.“ (Vers 7) Matthäus war in der Logik seiner Zeit nicht arm an Geld – wohl aber arm an Zugehörigkeit, arm an Ansehen, ausgegrenzt aus der Gemeinschaft der Frommen. Genau solche Menschen meint der Psalm, wenn er von den „Elenden“ spricht, die Gott hört. Die Einladung „Schmeckt und seht, wie freundlich der HERR ist“ (Vers 9) klingt nach: Matthäus hat es buchstäblich erfahren – am Tisch mit Jesus.

Das Wort an den Propheten Hesekiel (3,4–11) öffnet die zweite Dimension des Auftrags. Gott sendet Hesekiel nicht zu fremden Völkern mit unbekannter Sprache, sondern zu seinem eigenen Volk – und gerade das macht die Aufgabe schwer: „Das ganze Haus Israel ist hartnäckig und verstockt.“ (Vers 7) Doch Gott stärkt den Propheten: Er macht seine Stirn hart wie Kiesel – „fürchte dich nicht vor ihnen und erschrick nicht vor ihnen.“ (Vers 9) Matthäus schreibt sein Evangelium in eine ähnliche Spannung hinein: an eine jüdisch-christliche Gemeinde, die Widerstand von außen kennt, die mit der Synagoge streitet und die dennoch nicht aufhört zu bezeugen, dass Jesus der verheißene Messias Israels ist. Die Konfrontationen mit Schriftgelehrten und Pharisäern, die das Matthäusevangelium durchziehen, spiegeln genau das wider: ein unbequemes Zeugnis an ein widerstehendes Publikum – in der Kraft dessen, der schickt.

Paulus entfaltet im ersten Korintherbrief (12,27–31) die Theologie des Leibes Christi, in dem jede Gabe ihren unverwechselbaren Ort hat: „Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstlich Apostel, zum zweiten Propheten, zum dritten Lehrer…“ Nicht alle sind Apostel – aber die Gaben ergänzen einander. Matthäus steht an einer Kreuzung zweier Charismen: Er ist Apostel, der aus dem unmittelbaren Umkreis Jesu zeugt; und er ist Evangelist, der dieses Zeugnis in die Form eines kunstvoll komponierten Buches gießt. Diese doppelte Gabe – das Erlebnis und die Sprache dafür – ist es, die sein Evangelium bis heute zur meistgelesenen Biographie Jesu gemacht hat. Das Fest des Matthäus lädt uns ein zu fragen, welche spezifische Gabe wir selbst in den Leib Christi einzubringen haben – und daran zu erinnern: Gott ruft nicht die Fertigen, sondern die Bereiten.

Α
Ω
Apostel & Evangelist Matthäus
Gedenktag – 21. September
Tagesspruch
„Christus spricht: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“
Markus 16,15b
Symbol
Mensch/ Engel 
Patron
der Zöllner, Finanzbeamten, Buchhalter und Steuerberater
Bauernregel

„Matthäus hell und klar, bringt guten Wein im nächsten Jahr..“

„Wie das Wetter an Matthäus war, so wird’s bis Weihnachten sogar.“

„St. Matthäus bricht’s Eis, hat er keins, so macht er keins.“

Bildeindrücke
Matthäus – Apostel und Evangelist
Matthäus am Zollhaus – der Verachtete, den Jesus berief: aus dem Zöllner wurde der Evangelist, dessen Buch bis heute das meistgelesene Porträt Jesu ist

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