Am Tag des Erzmärtyrers Stephanus richtet sich der Blick der Kirche unmittelbar nach dem Christfest auf einen Menschen, der Jesus Christus mit großer Klarheit und Hingabe bezeugt hat – bis in den Tod hinein. Der zweite Weihnachtstag verbindet die Freude über die Geburt Christi mit der ernsten Erinnerung daran, dass die Nachfolge Jesu auch Widerstand und Leid mit sich bringen kann.
Stephanus gehört zu den ersten Christen der Jerusalemer Gemeinde. Die Apostelgeschichte beschreibt ihn als einen Menschen „voll Gnade und Kraft“, der das Evangelium mutig verkündigte und sich den Armen und Bedürftigen zuwandte. Doch sein Zeugnis stößt auf Ablehnung. Vor dem Hohen Rat bekennt Stephanus seinen Glauben an Christus und wird schließlich gesteinigt. Sterbend spricht er Worte des Vertrauens und der Vergebung: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“ und „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“
So wird Stephanus zum ersten Märtyrer der Kirche – zum „Erzmärtyrer“. In seinem Leben und Sterben spiegelt sich etwas von dem Weg Jesu selbst wider: Wahrheit, Liebe und Vergebung stärker sein zu lassen als Hass und Gewalt.
Auch das Evangelium nach Matthäus verschweigt nicht die Herausforderungen der Nachfolge. Jesus sagt seinen Jüngern Widerstand und Verfolgung voraus, zugleich aber auch Gottes bleibende Nähe. Christlicher Glaube lebt nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen auf Gottes Treue.
Der Psalm 31 bringt dieses Vertrauen eindrucksvoll zum Ausdruck: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Gerade in Bedrängnis und Unsicherheit hält der Beter an Gott fest und sucht bei ihm Schutz und Zuflucht.
Die alttestamentliche Lesung aus der Chronik erinnert daran, dass Gottes Boten immer wieder auf Ablehnung stoßen. Dennoch bleibt Gottes Wort lebendig und ruft Menschen zur Umkehr und zum Frieden.
Der Gedenktag des Stephanus lädt uns ein, über unser eigenes Zeugnis als Christinnen und Christen nachzudenken. Wo Menschen für Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung eintreten, setzen sie Zeichen der Hoffnung in einer oft verletzten Welt. Die Weihnachtsbotschaft endet nicht an der Krippe – sie führt hinein in das Leben und in die Verantwortung der Nachfolge Christi.