Am Sonntag Lätare herrscht Vorfreude auf das bevorstehende Osterfest. Daher wird als liturgische Farbe neben Violett auch Rosa vorgegeben – Rosa als Mischfarbe aus Violett (der Farbe der Passion) und Weiß/Gold (der durchscheinenden Farbe des Osterfests). Der Name „Lätare“ stammt vom Beginn des lateinischen Jesaja-Textes (Jesaja 66,10): „Laetare, Hierusalem“ – „Freue dich, Jerusalem.“ Leider steht dieser namengebende Text in der Leseordnung nur noch als Predigttext der zweiten Reihe und gehört nicht mehr zu den Texten, die stets an diesem Sonntag gelesen werden.
Im lateinischen Original des Jesaja-Textes sind drei Arten der Freude enthalten: gaudere – ein eher innerliches Freuen; laetari – eine Freude, die nach außen dringt; und exsultare – eine jubelndhervorbrechende Osterfreude. Im Johannesevangelium heißt es: „Als Jesus seine Augen erhob, sah er die Volksmenge“ (Johannes 6,5). Ebenso freut sich die Kirche über die Schar der Taufbewerber, die mit der Taufe als neue Kinder geboren werden, und über die aufrichtig Büßenden, um sie an ihrer tröstenden Mutterbrust mit den Sakramenten zu nähren (Jesaja 66,11).
Dennoch klingt das Passions- und Leidensmotiv im heutigen Evangelium (Johannes 12, 20–24) mit dem Sterben des Weizenkorns an. Denn schon zu jener Zeit wusste Jesus, welchen Preis er zahlen und welchen Berg er allein besteigen würde. Das Weizenkorn muss sterben, um Frucht zu bringen – und so musste auch Jesus sterben, dessen Tod Frucht bringt. Hieraus erwächst die tröstliche Zuversicht des Paulus: Das Kreuz ist die Quelle, von der die wahre Freude kommt (2. Korinther 1, 3–7).
Dies ist der Altar, auf dem Jesus uns das wunderbare Brot bereitet, unsere Seelen nährt und uns stärkt für unsere Pilgerschaft (Psalm 84, 3–6). So setzt auch das Wochenlied „Jesu, meine Freude“ (EG 396) diese unerschütterliche Zuversicht auf Jesus. Denn das zukünftige Jerusalem ist unsere wahre Heimat – und endlos wird die Freude sein, wenn wir dann rufen dürfen: „Zum Haus des Herrn wollen wir gehen!“ (Psalm 122,1).