Der Name des Sonntags – Okuli (lateinisch für Auge bzw. Augen) – stammt vom lateinischen Beginn des Eingangsverses in der Liturgie des Sonntags (Psalm 25,15): „Oculi mei semper ad Dominum“ – „Meine Augen schauen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“ Der Sonntag Okuli steht unter dem Thema Nachfolge.
Im frühchristlichen Rom wurde an diesem Sonntag die Zeit der Skrutinien eröffnet – sieben Prüfungen, bei denen die Taufbewerber Rechenschaft über ihren Lebenswandel und ihren Fortschritt im Glaubenswissen geben mussten. Dabei wurde für sie gebetet, um sie dem Einfluss des Teufels zu entreißen und gleichsam ihren Fuß aus der Schlinge zu ziehen, wie es der zweite Teil des Eingangsverses verheißt. Der Satan wird vom Stärkeren überwunden, und Christus nimmt ihm seine Waffenrüstung.
Während die Taufbewerber sich darauf vorbereiten, feierlich dem Teufel und dem Reich der Finsternis zu entsagen, sollen auch wir uns im Geiste ihnen anschließen, um in der Osternacht ganz bewusst unser Taufgelübde zu erneuern. Denn es genügt nicht, den Satan nur zu vertreiben – wir sollen auch darüber nachdenken, was es für uns konkret bedeutet, als Nachahmer Gottes und Kinder des Lichts zu leben, wie es die Epistellesung aus dem Brief an die Epheser fordert (Epheser 5, 1–9).
In der Konfrontation mit dem Geist dieser Welt und mit jeder Art von Versuchung können wir nichts Besseres tun, als unser geistliches Auge auf den Herrn zu richten und vertrauensvoll unsere Seele zu ihm zu erheben (Psalm 25, 1–2).