Am Gründonnerstag ist die liturgische Farbe Weiß – die Antependien auf Altar, Kanzel, Pult und Taufbecken werden gewechselt. Weiß steht für ein Christusfest: Heute ist der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls, in dem Christus in Fleisch und Blut, in Brot und Wein bei uns ist. Am Abend des Gründonnerstags beginnt das Triduum Sacrum – das dreitägige Gedächtnis des Leidens Christi.
Im Gottesdienst erklingt wieder das Gloria in excelsis Deo, das seit Aschermittwoch nicht gesungen wurde. An dieses Hochfest darf man daran denken, wie das Gloria zum ersten Mal zu Weihnachten erklang: Als Jesus, das lebendige Brot vom Himmel (Johannes 6,51), im „Haus des Brotes“ – das ist die wörtliche Bedeutung von „Bethlehem“ – geboren wurde, verkündeten Engel den Hirten eine große Freude (Lukas 2,10). Nicht weniger groß ist die heutige Freude über die Geburt des eucharistischen Christus, der durch die Einsetzung des Altarsakraments den Abendmahlssaal gleichsam zu einem neuen „Bethlehem“ macht. So singen wir das Gloria feierlich und freudig – und dabei läuten die Glocken.
Und doch fühlen wir neben dieser freudig-dankbaren Stimmung auch die tiefe Traurigkeit, die sich langsam naht. Schon im heutigen Evangelium (Johannes 13, 1–15.34–35) ist erwähnt, dass der Teufel dem Judas den Gedanken des Verrats ins Herz gegeben hat. Und nicht umsonst spricht die Epistellesung (1. Korinther 11, 17–34a) vom Unglück einer unwürdigen Abendmahlsfeier.
So unterbleibt in der heutigen Abendmahlsfeier auch der Friedensgruß und Friedenskuss – im Gedenken an den Kuss des Verräters. Denn Zeichen der Freundschaft können Verderben bringen, wenn das Äußere dem Inneren nicht mehr entspricht. So möge jedes Wort und Zeichen der Liebe und überhaupt unseres ganzen Lebens immer wahrhaft und echt sein.
Der Gründonnerstag war für die Apostel der Tag ihres ersten Heiligen Abendmahls (lat. communio für Gemeinschaft). Das Wort communio bezieht sich zugleich auf die Gemeinschaft mit Gott und auf die der Glieder der Kirche untereinander. Dabei muss der sakramentalen Gemeinschaft in Christus immer auch die reale Gemeinschaft des Einzelnen mit Gott durch ein ihm wohlgefälliges Leben entsprechen.
Weil wir schwache Menschen sind, haben wir es nötig – wie Petrus –, dem Herrn immer wieder zu erlauben, uns gleichsam die Füße zu waschen. Er mag auch uns in die Augen schauen und sagen: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du nicht Anteil an mir.“
Gerade weil sich der Herr uns in diesem hochheiligen Sakrament des Abendmahls ausliefert, ist mit höchster Sorgfalt darauf zu achten, dass ihm die gebührende Ehrfurcht zuteil wird und dass wir das Heilige Abendmahl auf eine Weise empfangen, die dem göttlichen Mysterium entspricht. Denn Jesus hat am heutigen Abend uns seine Realpräsenz gestiftet. In seiner Kirche bleibt er sakramental gegenwärtig im Abendmahl: mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit, wahrhaftig, wirklich und wesentlich.