Der Name des Karfreitags geht zurück auf das althochdeutsche Wort kara – Klage, Trauer. Heute starb unser Herr Jesus Christus am Kreuz, genau in der Stunde, als im Jerusalemer Tempel die Opferlämmer für das Paschafest geschlachtet wurden. So erfüllte sich die Prophezeiung Abrahams: „Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ausersehen.“ (1. Mose 22,8)
An diesem hohen Feiertag ehrt die Kirche den Opfertod ihres göttlichen Erlösers durch eine eigene und sehr besondere Liturgie in herber, äußerer und innerer Schlichtheit. Kein Blumenschmuck findet sich auf dem Altar; die schwarzen Antependien sind aufgelegt. Die Kerzen werden noch während der Liturgie gelöscht. Einzig die Sterbeglocke – bei uns die mittlere Glocke „Concordia“ – läutet; danach verstummen bis zur Auferstehung Christi in der Osternacht alle Glocken und die Orgel.
Die Elemente der Liturgie sind auf das Wesentliche reduziert: Im Mittelpunkt stehen die Lesung der Johannes-Passion, die Worte Gottes an sein Volk und die Großen Fürbitten. Zu deren Verständnis ist es gut, daran zu denken, dass sie genau in jener Stunde verrichtet werden, in welcher aus der Seite Christi – des „neuen Adam“ – die Kirche als seine Braut geboren wurde.
Die Andacht endet ohne Segen. Denn diese liturgische Feier bildet im Sinne der Einheit der Feier der Heiligen drei Tage (Triduum Sacrum) ein untrennbares Ganzes mit dem Gründonnerstag und der Osternacht; erst mit dem Jubel der festlichen Auferstehungsfeier findet das Triduum seinen Abschluss und seinen Segen.