Der Palmsonntag eröffnet die sogenannte Heilige Woche oder Karwoche – die letzte Woche der Passionszeit. Johannes schreibt im heutigen Evangelium (Johannes 12, 12–19): Die Gemeinde zieht mit Jesus in Jerusalem ein. Im Gottesdienst wird dies durch eine Palmenprozession und das Hochhalten der Palmenzweige während der Evangeliumslesung versinnbildlicht, um Christus zu ehren und das Volk von Jerusalem darzustellen.
Diese Prozession ist als Einzug in die Kirche mit Palmwedeln der älteste Bestandteil der heutigen Liturgie. Beim Ankommen am Kirchengebäude pocht der Pfarrer mit dem Vortragekreuz mächtig an die verschlossene Kirchentür – die sich daraufhin öffnet.
Dies ist ein schönes Bild für das Geheimnis Jesu Christi selbst. Christus schlägt mit dem Stab seines Kreuzes, mit der Kraft seiner sich verschenkenden Liebe, von der Welt her an das Tor Gottes. Er klopft von einer Welt her, die auf ihrer Seite den Zugang zu Gott nicht findet. So hat Jesus Christus mit dem Kreuz die Tür zwischen Gott und den Menschen aufgestoßen – und sie steht jedem offen.
Der triumphale Einzug Jesu in Jerusalem fünf Tage vor seinem Leiden offenbart die Würde Jesu und verdeutlicht seinen freiwilligen Opfertod am Kreuz: „Er ward geopfert, weil er selbst es wollte.“ (Jesaja 53,7)
Der historische Weg Jesu beim Einzug in Jerusalem führte von Betfage den Ölberg hinab durch das Goldene Tor im Osten der Altstadt hin zum Tempelplatz. Dieses Tor wurde im Laufe der Geschichte durch Titus zerstört, von den Byzantinern wieder aufgebaut und im 12. Jahrhundert endgültig zugemauert. Im Vergleich zu dem Bild der sich öffnenden Kirchentür ist das zugemauerte Stadttor ein eindrückliches Symbol für all jene Herzen, die sich vor ihrem Gott verschließen.
Deshalb bitten wir in diesem Gottesdienst für uns, dass auch wir uns hingeben, Gott unsere Herzen öffnen und das, was wir äußerlich tun, auch geistig mit höchster Hingabe vollziehen.