Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Er muss wachsen – Der Vorläufer des Herrn

Am 24. Juni feiern wir die Geburt des Heiligen Johannes des Täufers (liturgische Farbe Weiß).

Der Anlass des Festes fällt mit Blick in den liturgischen Kalender aus der Reihe: Normalerweise feiert die Kirche nicht Geburtstage, sondern die Todestage der Heiligen. Das hat den Hintergrund, dass mit dem Todestag die Geburt für den Himmel gefeiert wird – begründet in der Erbsünde, durch die der Mensch getrübt in diese Welt tritt.

Nur zwei Personen bilden hier eine Ausnahme und sind ungetrübt geboren worden, deren Geburtstage die Kirche feiert: Die Geburt unseres HERRN (25. Dezember) war heilig aufgrund der göttlichen Natur; die Geburt Johannes des Täufers war heilig, weil in Erfüllung ging, was der Engel Gabriel dem Zacharias – dem Mann der Elisabeth – verheißen hatte. So steht über Johannes geschrieben (Lukas 1, 15): Er wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist.

Dies geschah, als die Gottesmutter Maria auf den Hinweis des Engels hin (Lukas 1, 36), das göttliche Kind unter ihrem Herzen tragend, zu Elisabeth eilte. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, erfüllte der Heilige Geist die Elisabeth mitsamt ihrem Kind. Und der kleine Johannes hüpfte vor Freude in ihrem Leib (Lukas 1, 44).

Wir feiern sechs Monate vor Weihnachten das Geburtsfest des Johannes. Ein halbes Jahr älter als Jesus soll er gewesen sein. Damit kommen den Geburtsdaten auch symbolisch die Bedeutung der Sommer- und Wintersonnenwende zu, an denen die Tage wieder kürzer beziehungsweise länger werden. So sagte Johannes der Täufer über sein Verhältnis zu Jesus: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3, 30 – der heutige Tagesspruch). Johannes verstand sich ganz im Dienst als Jesu Vorläufer.

Der Festtag steht deshalb unter dem Motto: „Der Vorläufer des HERRN“ und knüpft an Lukas (1, 76) an: Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.

Johannes war jemand, der den Mund aufgemacht hat – und zwar nicht nur den eigenen. Zacharias hatte der Botschaft des Engels zunächst keinen Glauben geschenkt, denn seine Frau Elisabeth war seit jeher unfruchtbar und beide waren im fortgeschrittenen Alter. Aufgrund dieses Unglaubens strafte ihn der Engel mit Stummheit. Als Zacharias den vorherbestimmten Namen seines Sohnes der Verwandtschaft schriftlich bestätigte, löste sich sein Mund: Er konnte wieder sprechen und stimmte den großen Gesang des Benedictus an. Der Name Johannes war dabei Programm: Gott ist gnädig!

Etwa dreißig Jahre später öffnete Johannes wieder – diesmal wortgewaltig als Prediger am Jordan – den Mund. Er verkündete Umkehr und die Taufe zur Vergebung der Sünden. Er machte den Mund auf im Bekenntnis für den, dem er vorausging; schwieg auch nicht, wenn es politisch opportun gewesen wäre. Das kostete ihn letztendlich im wörtlichen Sinn den Kopf. Jesus selbst spendete dem Täufer das denkbar höchste Lob: Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer (Matthäus 11, 11).

Johannes galt als Patron der Sänger und Kirchenmusiker, hatte er doch seinen Vater einst zum Singen gebracht. Inzwischen hat die Heilige Cäcilia dieses Patronat übernommen.

Johannes war der Vorläufer, sodass der wahre Messias wachsen konnte. Im Dienst Jesu Christi stehen auch wir. Machen auch wir uns klein, damit er in uns wachsen kann. So kann Johannes auch uns noch lehren, den Mund aufzumachen, wenn es darum geht, für die Wahrheit des Evangeliums einzustehen, Dinge beim Namen zu nennen und – wie er – nicht nur Umkehr zu fordern, sondern sie selbst zu praktizieren.

Α
Ω
Johannes der Täufer
Festtag – 24. Juni
Tagesspruch
„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Johannes 3,30
Patron
der Kirche in Glesien
Bauernregeln
„An Sankt Johanni Abend, senk die Zwiebel in ein kühles Beet.“
„Bringt Johanni Sommerhitze, ist es Korn und Runkeln nütze.“
Bildeindrücke
Johanni – Geburt Johannes des Täufers, 24. Juni
Johannes der Täufer – der Vorläufer des Herrn

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