Wochenspruch
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17
Vom Joch der Nachfolge – Der zwölfte Apostel

Am 24. Februar feiern wir das Fest des heiligen Apostels Matthias (hebräisch: matityahu / mattithiah; „Geschenk YHWH“ [Gottes]).

Judas Iskariot hatte sich nach dem Verrat an Jesus selbst das Leben genommen. Nach der Himmelfahrt Jesu wurde Matthias anstelle des Verräters durch das Los in den Kreis der Apostel aufgenommen (Apostelgeschichte 1, 15–26; heutige Epistel).

Eusebius von Cäsarea berichtet, dass der jüdische Schriftgelehrte Matthias aus Bethlehem stammte. Er gehörte zu den 70 Jüngern, die Jesus ausgesandt hatte, das Evangelium zu verkündigen (Lukas 10, 1), und wirkte in Judäa und Äthiopien. Um das Jahr 63 wurde er vom Hohen Rat verurteilt, halbtot gesteinigt und anschließend mit dem Beil oder einer Hellebarde erschlagen. In Darstellungen kennzeichnet ihn das Beil oder die Hellebarde als sein Attribut. Kaiserin Helena ließ im 4. Jahrhundert seine Gebeine durch den Trierer Bischof Agritius nach Trier überführen, wo sie in der Benediktinerabtei St. Mattias und seit 1148 in der Basilika St. Matthias ruhen.

Die Nachwahl in das Kollegium der Apostel ist die einzige Stelle im Neuen Testament, in der der Apostel Matthias erwähnt wird. Seine Nachwahl erfolgte aufgrund der Weisung der Schrift (Apostelgeschichte 1, 20 und Psalm 109, 8). Seine Berufung, sein Leben und Wirken bemühen den Vergleich zum Fußball: Matthias wäre heute ein „Mannschaftsspieler“. Er kam von der Ersatzbank, passte sich sofort dem Geschehen an und löste die ihm übertragenen Aufgaben bestens. Menschen wie Matthias braucht jede Gemeinde und die Kirche.

Hier knüpft auch das heutige Evangelium (Matthäus 11, 25–30) an: Ihr wisst, was ein Joch ist? – Ein Holzbalken, der einem oder zwei Tieren, meistens Ochsen, über den Nacken gelegt wird, um eine große Last, einen Wagen oder ein Pflug zu ziehen. Zugleich können die Tiere einem auch ein wenig leid tun, denn ein Joch ist schon recht schwer!

Die Tiere können durch das Joch besser oder überhaupt erst gelenkt werden, und auf diese Weise können sie etwas leisten, was sie ohne das Joch nicht schaffen könnten. Das Tragen des Jochs soll den Tieren angeblich keine Schmerzen bereiten, aber es dürfte auch für sie sehr anstrengend sein. Nicht ohne Grund spricht man auch davon, Menschen zu unterjochen, wenn man ihnen eine große Last auferlegt und sie so fest einspannt, dass sie keine Freiheit mehr haben.

Wie aber gehen die beiden Dinge zusammen: Joch und Evangelium – Last und frohe Botschaft? … Die Last, die Christus uns abnehmen will und die Last, die wir von ihm übernehmen sollen? Letztlich geht es dabei um Nachfolge. Christus ruft uns in seine Nachfolge. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Dieser Ruf Jesu steht am Anfang. Jesus ruft uns aus dem alten Leben heraus mit seiner Last und seiner Mühe und lädt uns ein, ihm nachzufolgen. Er verheißt Befreiung und Erleichterung und Ruhe für die Seele. Und zugleich lädt er uns ein, von ihm zu lernen, sein Joch zu tragen, seine Last zu schultern.

Manche schwere Last in unserem Leben kann uns belasten, uns niederdrücken, ja uns vielleicht sogar erdrücken: körperliche und seelische Gebrechen, die uns die Freude am Leben nehmen, der Abschied von einem Menschen, mit dem auch ein Stück in uns stirbt, vergiftete Konflikte und Strukturen in Familie, Freizeit oder Beruf oder andere belastende Situationen.

Gott will uns beistehen bei solchen Lasten. Er will uns helfen zu tragen, was uns zu schwer ist. Er will uns erquicken, neue Kraft und Lebensfreude geben. Wie bei einer langen Wanderung: Rast am kühlen Bach, den Rucksack vom Rücken nehmen und sich erfrischen.

Doch dasselbe Gewicht kann erdrückend schwer sein oder federleicht. Es kommt ganz darauf an, aus welcher Perspektive man sein Joch betrachtet: Ein Wanderer kommt an einem Steinbruch vorbei. Er sah einen Arbeiter, der Steine klopfte, und fragte: „Was machst Du da?“ – „Siehst Du das nicht? Ich klopfe Steine!“ Der Wanderer ging weiter und traf einen anderen Mann, der im selben Steinbruch arbeitete. Er fragte wieder: „Was machst Du da?“ Dieser sagte: „Ich verdiene hier mein täglich Brot, ich muss meine Familie ernähren.“ Als der Wanderer gerade den Steinbruch verlassen wollte, sah er einen Mann, der sang, während er die Steine klopfte. Überrascht und neugierig fragte er auch ihn: „Was machst Du da?“ Der dritte Arbeiter hob den Kopf und sagte: „Ich baue eine Kathedrale.“

Steine klopfen – die Familie ernähren – eine Kathedrale bauen. So unterschiedlich wird dieselbe Arbeit, dieselbe Last, wahrgenommen.

Lassen auch wir uns – wie Matthias – in die Nachfolge Jesu rufen. Im festen Vertrauen auf die Verheißung, dass er uns tragen hilft und keine Last zu groß sein lässt, als dass wir sie nicht im Vertrauen auf seine Gegenwart und Begleitung tragen können. Wollen wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir in seiner Nachfolge das Größte tun, was ein Mensch tun kann, nämlich am Reich Gottes mitbauen.

Α
Ω
Apostel Matthias
Gedenktag – 24. Februar
Tagesspruch
„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!.“
Matthäus 11,28
Patron
der Bauhandwerker, Zimmerleute, Schreiner, Schmiede, Metzger, Zuckerbäcker, Schneider
Bauernregeln
„Imker, am Matthiastag, deine Biene fliegen mag.“
„Trat Matthias stürmisch ein, kann’s bis Ostern Winter sein.“
Bildeindrücke
Apostel Matthias – Gedenktag 24. Februar
Apostel Matthias – Darstellung mit Attribut Beil

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